Leseprobe (PDF Kinderbuch - Jugendbuch): 12-Mission in luftigen Höhen

Kinderbuch Jugendbuch ebook als PDF, Mobi und ePub erhältlich.

Enzo, Lisa, Georg und Ingo verbringen ein langes Wochenende bei Enzos Tante Luise in Neustadt auf das sie sich sehr freuen. Die Stimmung wird schnell getrübt, als sie bemerken, dass dort etwas nicht stimmt. Denn die Zerstörung der Weinreben ist nicht zu übersehen.

 

Als IGEL-Team versuchen sie, den Übeltäter ausfindig zu machen, was sie geradewegs in ein gefährliches Abenteuer treibt.

Leseprobe

Der Minihubschrauber

Die Sonne tauchte den Pfälzer Kurort Bad Bergzabern am Nachmittag in ein warmes goldenes Licht. Im Garten der Seiferts zitterten die leuchtend grünen Blätter der Bäume und Hecken im milden Sommerwind.

»Gleich haben wir es«, kam Ingos Stimme aus der offenen Garage.

Der zwölfjährige Ingo stand an der Werkbank, kniff konzentriert seine grünen Augen zusammen und hantierte mit einem Lötkolben an einem Minihubschrauber herum. Durch die runde Brille und sein kurzes, braunes Haar wirkte er sehr schlau, was er auch zweifellos war, denn Ingo las viel, hatte eine Pfadfinderausbildung und war überhaupt sehr intelligent und geschickt. Darum wollte er später einmal Naturforscher werden. Hinter ihm stand sein Bruder Georg, der aufgrund seiner Größe und kräftigen Statur oft auf achtzehn Jahre geschätzt wurde, obwohl er erst dreizehn war. Mit den Händen in den Hosentaschen wippte er ungeduldig auf den Zehenspitzen auf und ab und erschien dadurch noch größer, als er ohnehin schon war. Die elfjährige zierliche Lisa stützte sich mit beiden Ellenbogen auf die Werkbank, strich sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht und beobachte jede Bewegung ihres Bruders Ingo. Der zwölfjährige mollige Enzo mit seinem schwarzen Lockenkopf hatte es sich auf dem Sattel eines Fahrrades in der Ecke der Garage bequem gemacht. Seine Füße stützte er auf die Pedale und mit der Schulter lehnte er an der kühlen Garagenwand.

Georg nahm die Hände aus den Hosentaschen und verschränkte sie lässig hinter dem Kopf. »Glaubst du, jetzt funktioniert es?«

Ingo nickte. »Ja, der Helikopter konnte nicht abheben, weil der Motor zu schwach war. Das hatte ich nicht bedacht, als ich die Minikamera montierte.«

»Und durch die zusätzliche Batterie, die du nun angelötet hast, ist der Motor nun stärker?«, interessierte sich Lisa.

Ingo schob seine Brille zurecht. »Ja, das müsste jedenfalls reichen, um einmal ums Haus zu fliegen und eine schöne Luftaufnahme zu machen.«


 

»Ich verstehe immer noch nicht den Sinn der ganzen Aktion«, meldete sich Enzo aus der Ecke. »Wenn du wenigstens einen Greifarm montiert hättest, mit dem man Obst von Bäumen pflücken könnte?!«

Lisa hob genervt die Augenbrauen, weil Enzo wie immer nur ans Essen dachte. Sie fragte sich oft, ob alle italienischen Jungs so wären, oder ob es nur daran lag, dass Enzos Eltern eine Pizzeria besitzen. Enzos Eltern hatten wenig Zeit für ihren Sohn, da sie den ganzen Tag in ihrer Pizzeria arbeiteten und deshalb hielt sich Enzo von morgens bis abends immer bei den drei Geschwistern Ingo, Lisa und Georg auf.

»Du erkennst nur einen Sinn, wenn es ums Essen geht, Enzo!«, entgegnete Lisa kritisch. »Ich finde es interessant, wenn wir nachher den Film mit den Aufnahmen unseres Hauses anschauen?!«

»Natürlich ist das interessant«, stimmte Enzo zu. »Aber es wäre viel schöner, wenn wir mit dem Minihubschrauber Obst von den Bäumen holen könnten, um uns nachher die Bäuche vollzuschlagen.«

Ingo nahm den Hubschrauber und ging nach draußen. »Kommt, Leute! Wir starten Versuch Nummer zwei.«

Enzo, Lisa und Georg folgten ihm durch den gepflasterten Hof in den Vorgarten. Ingo stellte den Minihubschrauber auf den Rasen und reichte Georg die Fernbedienung.

»Warum ich«, war Georg überrascht.

»Weil du mal Pilot werden willst«, antworteten Ingo, Lisa und Enzo gleichzeitig.

»Also gut. Passt auf, ich würde euch ungern die Haare abrasieren«, scherzte Georg und drückte den Hebel der Fernsteuerung nach vorne.

Summend drehte sich der Haupt- und Heckrotor des kleinen Hubschraubers, worauf die Kufen auf dem Rasen anfingen, wild zu vibrieren. Als der Motor lauter wurde, erhob sich der Helikopter langsam in die Luft, was von begeistertem Raunen der Kinder begleitet wurde. Doch in Augenhöhe pendelte das Fluggerät unkontrolliert hin und her.

»Was soll ich machen?«, fragte Georg Ingo nach Rat.

»Du musst ein Gefühl für die Steuerung entwickeln. Mach weiter, du machst das gut!«, antwortete Ingo und drehte schnell den Kopf zur Seite, als der Hubschrauber auf sein Gesicht zuflog.

Georg wischte sich angespannt mit der Hand über die Stirn und konzentrierte sich. Nach einigen waghalsigen Flugmanövern schwebte der Hubschrauber sanft an der Hauswand hoch, dann majestätisch über das Dach.

»Bravo, Georg. Du hast es raus«, freute sich Lisa.


 

»Ja, ich kann es jetzt«, verkündete Georg stolz und steuerte den Helikopter oberhalb der Dachrinne entlang.

»Achtung! Der Baum da vorne!«, rief Enzo und zeigte hektisch mit dem Finger auf den Apfelbaum.

Georg grinste schief. »Keine Angst, ich habe alles unter Kontrolle.«

Doch eine Windböe erfasste den Minihubschrauber, wirbelte ihn herum und schleuderte ihn im hohen Bogen in den Baumwipfel. Der Rotor rasselte laut. Blätter und dünne Zweige fielen zu Boden, dann war es still.

»So ein Pech. Hoffentlich ist nichts kaputtgegangen«, rief Georg schockiert und rannte gefolgt von den anderen zum Apfelbaum.

»Er hängt da oben zwischen den Ästen«, kommentierte Enzo, während Lisa bereits flink wie ein Wiesel hinaufkletterte und das Gerät aus der Baumkrone befreite. Nicht umsonst war sie die Schnellste und Sportlichste der Gruppe.

Sie reichte Ingo den Helikopter nach unten. »Ich glaub, wir haben Glück. Er scheint nicht kaputt zu sein.«

Ingo sah sich das Fluggerät an und entfernte die Speicherkarte der Kamera. »Okay, er ist noch intakt. Kommt und lasst uns den Film ansehen!«

Erwartungsvoll eilten die Kinder nach oben in Ingos Zimmer, wo Ingo die Speicherkarte an seinem Klapprechner anschloss. Sekunden danach erschien der Film auf dem Display, der das Haus von oben zeigte.

»Hey, die Aufnahmen sind aber gut«, lobte Lisa. »Ich dachte, die wären eher verwackelt.«

»Ich bin eben ein guter Pilot«, lobte sich Georg selbst, worauf die anderen zustimmend nickten.

Enzo zeigte auf den Monitor. »Seht mal. Da unten stehen wir.«

»Von diesem Blickwinkel sieht unser Haus ganz anders aus«, bemerkte Georg.

»Besonders mit dem vielen Laub in der Dachrinne«, scherzte Enzo.

»Hast du mal daran gedacht, Patent auf den Kamerahubschrauber anzumelden, Ingo?«, schlug Lisa vor.

Ingo winkte ab. »Das gibt es seit einer Ewigkeit. Im Internet kann man Kamerahubschrauber bereits ab 47 Euro bestellen.«

»Was, ehrlich?«, wunderte sich Enzo. »Warum hast du dir dann die Arbeit gemacht, den Hubschrauber umzurüsten?«

»Weil wir diesen Hubschrauber noch auf dem Dachboden hatten, und ich ihn verwerten wollte«, erklärte Ingo schmunzelnd.

»Das ist dir sehr gut gelungen«, lobte Lisa.


 

Georg schob den blauen Vorhang zur Seite, setzte sich auf die Fensterbank und überlegte. »Was könnten wir sonst noch filmen?«

Alle grübelten wenige Sekunden lang, bis Enzo mit den Fingern schnippte. »Was haltet ihr davon, wenn wir das Hambacher Schloss von oben filmen?«

Lisa runzelte die Stirn. »Denkst du, wir sollen knapp vierzig Kilometer mit dem Fahrrad fahren, nur um ein Schloss von oben zu filmen? Das Hambacher Schloss ist in Neustadt?!«

Enzo lächelte. »Eben. Tante Luise und Onkel Salvatore würden sich bestimmt freuen, wenn wir das lange Wochenende von vier Tagen bei ihnen verbringen würden. Wir fahren natürlich mit dem Bus.«

Ingo hob interessiert seinen Blick und klappte sein Laptop zu. »Mir würde ein Wochenende in Neustadt gut gefallen.«

»Wir könnten im Wald oder in den Weinbergen wandern gehen«, war auch Georg von Enzos Idee begeistert.

»Ein langes Wochenende in Neustadt würde mir auch Spaß machen«, freute sich Lisa.

Enzo stürmte zur Tür hinaus. »Ich bin gleich zurück, ich rufe schnell Tante Luise an und frage, ob wir kommen dürfen.«

»Ich freue mich auf das Wochenende. Sollen wir packen?«, konnte es Lisa kaum noch erwarten.

Ingo hob die Hand. »Wartet mal, bis Enzo da ist! Vielleicht hat Tante Luise für das lange Wochenende etwas anderes geplant?!«

»Das wäre aber schade«, bedauerte Lisa und senkte den Kopf. »Wir wissen sowieso nicht, ob Mama und Papa es uns erlauben würden.«

Georg lachte laut. »Klar. Warum sollen Mama und Papa das verlängerte Wochenende alleine ohne uns verbringen wollen?«, fragte er ironisch, worauf Ingo und Lisa kicherten.

Nach etwa zehn Minuten kam Enzo zurück. Doch er schwieg und seine Miene war neutral.

»Was ist los? Raus mit der Sprache!«, drängte Lisa ungeduldig.

Enzo schien die Aufmerksamkeit zu genießen. Er setzte sich aufs Bett und alle Augen waren gespannt auf ihn gerichtet. Mit der Hand fuhr er durch seine schwarzen Locken und tat so, als ob er nachdenken würde.

»Meine Tante und mein Onkel hatten einen Wasserrohrbruch im Haus. Das Gästezimmer wurde überschwemmt und sogar im Wohnzimmer ist Wasser durch die Wände eingedrungen. Onkel Salvatore nutzt darum das lange Wochenende, um mit seinen Arbeitskollegen das Haus zu renovieren. Das heißt, sie haben keinen Platz für uns.« Als er ausgesprochen hatte, schaute er in die bedrückten Gesichter seiner Freunde.


 

»Dagegen kann man nichts tun«, bedauerte Georg im gesenkten Tonfall.

»Doch!«, widersprach Enzo. »Tante Luise arbeitet nämlich gelegentlich in einem Weingut. Dort können wir für vier Tage in einem Ferienhaus wohnen und wir können gleich morgen früh anreisen«, verkündete Enzo feierlich, was von Freudengeschrei übertönt wurde.

»Hurra! Wir bekommen sogar ein eigenes Ferienhaus«, rief Lisa erfreut.

»Auch wenn es wahrscheinlich ist, dass wir die Erlaubnis bekommen, wir müssen Mama trotzdem fragen, ob wir überhaupt weg dürfen«, erinnerte Ingo.

»Kein Problem«, beruhigte Enzo. »Sie hat das Telefonat mitbekommen und widerwillig zugestimmt.«

»Widerwillig?«, wunderte sich Georg.

»Ja«, bestätigte Enzo. »Sie sagte, nun hätte sie sehr kurzfristig viel Arbeit, um alles für uns vorzubereiten.«

Lisa lächelte. »Ja. Mama hat Angst, wir würden verhungern und wird uns wie immer einen Korb voller Essen mitgeben.«

»Was gar nicht nötig wäre«, fügte Ingo hinzu.


 

»Doch! Es ist nötig. Ich brauche den Korb«, entgegnete Enzo und leckte sich die Lippen, worauf Ingo, Lisa und Georg im schallenden Gelächter ausbrachen.

Die Kinder gingen nach unten in die Küche, wo die Mutter bereits einige Sachen vorbereitet hatte.

»Mama? Wir sind nur vier Tage weg?!«, erinnerte Lisa, als sie die vielen Lebensmittel sah.

Auf dem Tisch standen ein Salz-, Pfeffer-, Petersilie- und ein Schnittlauchstreuer. Daneben lagen Tomaten, ein Brot und Butter. Außerdem hatte die Mutter auch ein Glas grüne Oliven, ein Glas Essiggürkchen und 10 gekochte Eier bereitgestellt. Dazu hatte sie auch noch verschiedene Marmeladesorten, Milch, Kakao, Orangensaft, Ananas-Traubensaft, Mineralwasser und sonstige Lebensmittel vorbereitet.

Die Mutter erklärte: »Enzo erzählte mir, dass ihr in Neustadt in einem Ferienhaus wohnen werdet, wo es keine Verpflegung gibt.«

Georg runzelte die Stirn. »Aber Mama. Wir essen doch sowieso bei Enzos Tante?!«

»Das ist okay. Danke, Frau Seifert«, mischte sich Enzo ein. »Wir brauchen auch Essen für zwischendurch, außerdem können wir im Ferienhaus frühstücken und mittags auch die Brotzeit einnehmen. Weil Tante Luise und Onkel Salvatore inmitten der Renovierungsarbeiten stecken, reicht es, wenn wir nur zum Abendessen dort sind, so fallen wir ihnen auch nicht zur Last.«

Die Mutter nickte zufrieden und packte die Sachen in den Korb ein.

»Danke, Mama«, bedankte sich auch Lisa. »Wir gehen nach oben und packen unsere Sachen.«

Lisa, Georg und Ingo stürmten nach oben in ihre Zimmer und Enzo eilte, um seine Sachen zu packen, nach Hause. Kurze Zeit später war alles gepackt und die Kinder trafen sich in Ingos Schlafzimmer.


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