Leseprobe (PDF Kinderbuch - Jugendbuch): 6- Das Geheimnis des vermissten Mannes

KindeKinderbuch Jugendbuch ebook als PDF, Mobi und ePub erhältlich.

Eine Frau wendet sich verzweifelt an das IGEL-Team, weil ihre Tochter Sandra seit zwei Tagen spurlos verschwunden ist. Sandra war angeblich zuletzt auf der Suche nach ihrem Vater, der acht Monate zuvor von einer Geschäftsreise nicht mehr zurückgekehrt war. Das IGEL-Team versucht, der Frau zu helfen und tappt dabei in eine hinterhältige Falle.

Leseprobe

Die durchnässte Frau

Die in der Morgensonne golden leuchtenden Blätter fielen von den Bäumen und tanzten im kühlen Herbstwind über den glänzend nassen Asphalt. Ingo, Georg, Lisa und Enzo saßen drinnen beim Frühstück. Die Küche war mit einem herrlichen Duft von heißer Schokolade erfüllt. Die Kinder freuten sich riesig auf ihre Herbstferien.

»Mama? Wir werden nachher Kastanien sammeln«, teilte Lisa mit, worauf die anderen Kinder zustimmend nickten.

Die Mutter stand gerade am Spülbecken und drehte sich zu ihr um. »Das ist schön, Kinder, damit kann ich morgen ein leckeres Kastaniengemüse zubereiten.«

Ein melodisches »Ding Dong« hallte durchs Haus.

»Es hat geklingelt?!«, reagierte Georg überrascht.

Die Mutter trocknete sich die Hände an der Schürze ab. »Erwartet ihr jemanden?«

Ingo zuckte mit den Schultern. »Nein. Nicht, dass ich wüsste. Wer kann das so früh am Morgen sein?«

Lisa kniete sich auf den Stuhl und lugte aus dem Fenster. »Das ist ja merkwürdig. Da steht eine Frau im blauen Anorak an der Tür, ihre Haare sind pitschnass?!«

Die Kinder rannten neugierig zur Haustür. »Wir gehen schon, Mama.«


 

Vor der Tür stand eine Frau, Ende 40, deren schwarzes, langes Haar nass an ihrem Kopf klebte.

»Seid ihr das IGEL-Team?«, fragte sie mit einem jammernden Unterton in der Stimme.

»Ja, das sind wir. Was ist mit Ihnen passiert? Sie sind ja klitsch nass?!«, sorgte sich Ingo.

»Ich bin Frau Zimmermann«, stellte sich die Frau vor. »Es geht um meine elfjährige Tochter Sandra. Sie ist seit zwei Tagen spurlos verschwunden.«

»Oje, das ist ja schrecklich«, erwiderte Lisa. »Kommen Sie doch erst einmal herein, sonst erkälten Sie sich noch bei dem kalten Wind.«

Frau Zimmermann schüttelte den Kopf. »Ich kann nicht. Ich darf keine Zeit verlieren und muss sofort weiter nach meiner Tochter suchen.«

Georg, der alle Anwesenden etwa um einen Kopf überragte, runzelte die Stirn. »Wo haben Sie bisher gesucht?«

»Ich bin die ganze Stadt abgelaufen, habe bei all ihren Freunden und Klassenkameraden vorbeigeschaut. Nichts! Sie ist spurlos verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt«, erklärte Frau Zimmermann in tränenerstickter Stimme.

»Es bringt Ihnen und Ihrer Tochter nichts, wenn Sie krank werden«, versuchte Ingo, die Frau zu überzeugen. »Kommen Sie doch erst mal herein, trinken Sie eine heiße Schokolade und erzählen Sie uns alles in Ruhe. Wir werden versuchen, Ihnen zu helfen.«

»Vielleicht habt ihr Recht, Kinder. Ich wüsste auch nicht, wo ich noch suchen sollte«, nahm Frau Zimmermann das Angebot an.

Die Kinder nahmen sie mit in die Küche.


 

 »Mama? Das ist Frau Zimmermann«, stellte Lisa der Mutter die Frau vor. »Ihre Tochter ist so alt wie ich und ist seit zwei Tagen verschwunden.«

»Guten Tag, Frau Zimmermann«, grüßte die Mutter. »Das ist ja furchtbar. Ich hoffe, die Kinder können Ihnen helfen.«

Ingo goss Frau Zimmermann einen dampfend heißen Kakao ein. Sie umklammerte die heiße Tasse mit ihren kalten, zittrigen Händen und trank einen kräftigen Schluck. Plötzlich brach sie in Tränen aus. »Erst mein Mann und jetzt auch noch meine Tochter.«

»Mama? Dürfen wir uns in mein Zimmer zurückziehen?«, erkundigte sich Ingo.

Der Mutter stand der Schock über Frau Zimmermanns Schicksal ins Gesicht geschrieben. »Gewiss doch. Geht ruhig.«

Die Kinder nahmen Frau Zimmermann mit in Ingos Schlafzimmer, das ihnen als Kinderdetektive immer als Besprechungszimmer diente. Lisa half der Dame aus dem nassen Anorak und hängte diesen zum Trocknen über die Heizung. Ingo bot ihr den Platz neben sich auf dem Bett an. Enzo, Lisa und Georg setzten sich auf den Fußboden und lauschten gespannt auf das Gespräch.

»Was ist mit Ihrem Mann geschehen, Frau Zimmermann?«, hakte Ingo nach.

»Er musste vor 8 Monaten beruflich nach Afrika reisen. Über Nacht ist er spurlos verschwunden«, erzählte Frau Zimmermann mit heiserer Stimme und nahm anschließend einen Schluck heiße Schokolade.

»Was hätte Ihr Mann in Afrika machen sollen?«, wollte Georg wissen.


 

»Er hätte elektronische Bauteile in Klimaanlagen installieren sollen. Leider ist er nie bei dem Kunden erschienen, weil er über Nacht aus dem Hotel verschwunden war.«

Lisa stützte sich mit den Händen nach hinten auf den weißen Fellteppich. »Für welche Firma hatte er gearbeitet?«

»Er arbeitete für die Firma Elopart Control in Pleisweiler, die stellen elektronische Bauteile her. Die hatten sich damals sehr bemüht und alles in ihrer Macht stehende getan, um meinen Mann zu finden. Leider ohne Erfolg.«

Enzo blickte nachdenklich an die Zimmerdecke. »Sehr seltsam.«

»Aber nun ist auch meine Tochter Sandra verschwunden und die Polizei kann sie auch nicht finden«, fing die Frau erneut zu weinen an.

»Ganz ruhig«, beruhigte Ingo. »Erzählen Sie uns etwas über Ihre Tochter!«

Lisa reichte Frau Zimmermann ein Papiertaschentuch, womit sie ihre Tränen abwischte. »Sandra hatte den Verlust ihres Vaters nicht wahrhaben wollen und versprach, sie würde ihn finden.«

»Wie wollte Ihre Tochter das anstellen?«, hakte Georg nach. »Wollte sie nach Afrika reisen?«

Frau Zimmermann schüttelte den Kopf. »Nein, sie meinte, die Firma würde meinen Mann gefangen halten, was natürlich völlig absurd ist und ihrer kreativen Kinderfantasie entspringt.«

Der mollige, schwarz gelockte Enzo hob die Augenbrauen. »Wie kam Ihre Tochter zu diesem Verdacht? Denken Sie wirklich, es war reine Fantasie oder hatte sie dafür irgendwelche Hinweise?«


 

Frau Zimmermann winkte ab. »Sie ist ein Fan von euch und hat alle eure Bücher gelesen. Ich denke, sie hat nur zu viel Fantasie und wollte einfach nur ihren Vater zurückhaben.«

Lisa strich sich eine blonde Haarsträhne aus ihrem sommersprossigen Gesicht. »Kann es sein, dass sie es irgendwie geschafft hat, nach Afrika zu kommen?«

»Nein!« nahm Ingo die Antwort vorweg. »Dazu sind die Passagierkontrollen heutzutage viel zu streng. Spätestens am Flughafen hätte man sie bemerkt und ihre Mutter alarmiert.«

Georg räusperte sich. »Wann haben Sie Ihre Tochter zuletzt gesehen?«

»Am Montagabend, als sie sagte, sie würde zu Bett gehen.«

»Am Dienstagmorgen war sie verschwunden?«, folgerte Ingo.

»Ja, als ich sie zum Frühstück rufen wollte.« Frau Zimmermanns Blick senkte sich, sie starrte gedankenversunken in die Ecke des Zimmers.

»Okay«, sagte Ingo. »Wir werden alles tun, um Ihre Tochter zu finden.«

Georg stimmte Ingo zu. »Sie gehen erst einmal nach Hause und ruhen sich aus. Ohne persönlich zu werden, aber Sie sehen wirklich nicht gut aus. Wir werden Sie informieren, sobald wir eine heiße Spur haben.«

»Genau, Sie sehen wirklich nicht gut aus«, pflichtete Ingo bei. »Ich tippe auf Schlafmangel und daraus resultierende Kreislaufstörungen. Ruhen Sie sich aus, während wir nach Ihrer Tochter suchen!«

Frau Zimmermann überreichte den Kindern eine Visitenkarte mit Adresse und Telefonnummer und verabschiedete sich. »Vielen Dank. Nachdem ich weiß, dass ihr euch darum kümmert, geht es mir schon besser. Ich hoffe, dass ihr sie finden werdet.«

 


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