Leseprobe (PDF Kinderbuch - Jugendbuch): 20- Das verschwundene Geld

Die Kinderdetektive Lisa, Enzo, Georg und Ingo fahren in den Herbstferien in ihr Rebenhaus in Neustadt. Völlig unerwartet meldet sich ein wohlhabender Mann. Er ist völlig ratlos und bittet die Kinderdetektive um Hilfe. Aus seinem Tresor wird offensichtlich immer wieder eine kleine Menge Geld gestohlen, ohne Einbruchspuren oder sonstige Hinweise zu hinterlassen.

Er kann den Diebstahl bei der Polizei nicht beweisen, seine Ersparnisse verringern sich immer weiter, ohne dass er etwas dagegen unternehmen könnte und es macht ihm Angst, dass sich in seinem näheren Umfeld ein Dieb aufhält.

Als IGEL-Team nehmen die Kinderdetektive den Fall an. Sie versuchen, die Täter zu überführen, um diese kuriose Geldverminderung so schnell wie möglich zu unterbinden. Schnell stellt sich heraus, es ist gar nicht so einfach, wie sie es sich vorgestellt hatten.

 

Leseprobe

Seit knapp einer Stunde war in der Pfälzer Kurstadt Bad Bergzabern die Nacht eingekehrt, die ihren pechschwarzen Schleier über die Landschaft schob. Schon seit den frühen Morgenstunden wehte ein kühler Herbstwind. Im Geräteschuppen hinter dem Haus der Familie Seifert brannte Licht. Drinnen an der Werkbank stand der zwölfjährige Ingo und bastelte an einem Drachen. Mit einer lässigen Handbewegung schob er sich mit dem Zeigefinger seine Brille auf die Nase. Er knotete mit einer Schnur zwei Stöckchen zu einem Kreuz zusammen, das als Grundgerüst seines Drachens dienen sollte. Die Geräusche des Windes ließen ihn einige Male aufhorchen. Plötzlich krachte die Tür zu. Ingo zuckte vor Schreck zusammen, drehte sich blitzschnell um.

»Lisa? Georg?«, rief er seine Geschwister. »Seid ihr das?«

Keine Antwort. Nur das Getöse des heulenden Windes, knackender Äste und rauschender Blätter war zu hören.

»Enzo, bist du es?«, vermutete Ingo den italienischen Jungen aus der Nachbarschaft, der immer viel Zeit mit den Geschwistern verbrachte.

Die vier Kinder schlossen sich vor Jahren als Detektive zusammen und nannten sich "Das IGEL-Team". Gemeinsam hatten sie mittlerweile viele kniffelige Fälle gelöst.

»Das war wohl nur der Wind«, sagte Ingo zu sich selbst und fuhr sich nachdenklich mit der Hand über sein kurzes braunes Haar.

Umgehend widmete er sich wieder seiner Arbeit und bezog das Holzkreuz mit einer hellgrünen Folie. Aus einer weißen Folie schnitt er die Augen für seinen Drachen aus und klebte sie auf. Stolz betrachtete er sein Werk, als es auf einmal an die Tür trommelte.

»Jetzt hört endlich auf damit und kommt rein. Ich möchte euch meinen Drachen zeigen«, rief Ingo genervt und zugleich verunsichert.

Doch es kam keine Antwort und es polterte so sehr, dass der ganze Geräteschuppen wackelte.

»Wer ist da?« Ingo öffnete vorsichtig die Tür und spähte hinaus in die Dunkelheit. »Das war wohl wieder der Wind«, sagte er sich und zog die Tür zu.

Konzentriert arbeitete er weiter an seinem Drachen und fertigte den Mund, die Nase und die Augenbrauen. Gerade als er kurz aufschaute, huschte ein Schatten am Fenster vorbei. Im selben Moment sprang krachend die Tür auf und zugleich ertönte ein ohrenbetäubendes Wolfsgeheule, das durch Mark und Bein ging.

Ingo lachte erleichtert auf. »Enzo? Ich wusste doch, dass ihr das seid.«

Ein molliger schwarz gelockter Junge blickte verstohlen zur Tür herein. »Schade. Hattest du keine Angst? Woher hast du gewusst, dass wir es sind?«

Hinter Enzo tauchte Ingos großer Bruder Georg auf. Groß im wahrsten Sinne des Wortes. Der Junge mit den kurzen braunen Haaren war zwar erst dreizehn, sah aber aus wie neunzehn, was wahrscheinlich daran lag, dass er einen Kopf größer als die anderen war. »Gib es zu, Ingo! Du hattest Angst.«

»Was? Nein«, wehrte sich Ingo. »Ich bin doch kein kleines Kind.«

Ein Mädchen mit langen blonden Haaren kam ebenfalls durch die Tür. »Ich habe aber gehört, wie deine Stimme gezittert hat, Brüderchen.«

»Unsinn, ich heiße nicht Lisa, dass ich bei jedem Geräusch Angst habe und meine Stimme versagt oder so schrill, wie eine Kreissäge klingt.«

Lisas Miene verfinsterte sich schlagartig. Er hatte absolut recht, sobald Lisa Angst hatte oder aufgeregt war, klang ihre Stimme erst unangenehm fiepsig und versagte manchmal gänzlich.

»Okay, es tut mir leid, Lisa. Das wollte ich nicht sagen, aber meine Stimme hat wirklich nicht gezittert«, rechtfertigte sich Ingo.

»Ist schon gut, zeig uns lieber deinen Drachen«, nahm Lisa die Entschuldigung an.

Der Sturm wurde stärker und knallte die Tür mit voller Wucht zu. Alle zuckten vor Schreck zusammen.

Ingo präsentierte stolz seinen Drachen. »Seht her, ich …«

Doch plötzlich polterte es erneut und der ganze Geräteschuppen wackelte.

In Enzos großen braunen Augen konnte man Angst erkennen. »Wer kann das sein? Wir sind alle hier?«

Ungläubig sahen sich die Kinder an.

»Herein bitte?«, rief Ingo und alle starrten gebannt auf die Tür.

Doch es kam keine Antwort und es polterte erneut.

Nachdenklich kniff Georg seine blauen Augen zusammen. »Jeder normale Mensch hätte geantwortet oder wäre hereingekommen. Irgendwas stimmt hier nicht, Leute.«

»Wer ist da draußen?«, quietschte Lisa aufgeregt.

Als das Poltern stärker wurde, ahmte Enzo täuschend echt das Knurren und Bellen eines Hundes nach. »Geben Sie sich zu erkennen, sonst lassen wir den Hund auf Sie los«, drohte er lauthals und knurrte weiter.

Doch wieder kam keine Antwort und es polterte erneut noch heftiger als zuvor.

»Jetzt reicht es aber«, reagierte Georg erzürnt. Entschlossen stieß er die Tür auf und lief wütend hinaus. »Geben Sie sich besser zu erkennen, bevor es zu spät ist!«

»Siehst du da draußen jemand, Georg?«, fragte Enzo zögerlich.

»Hey Leute. Das ist nur ein Ast vom Kastanienbaum, der durch den Wind aufs Dach schlägt«, gab Georg mit einem Lachen in der Stimme Entwarnung.

Enzo, Ingo und Lisa atmeten erleichtert auf. Nachdem sie Ingos neuen Drachen begutachtet, und für gut befunden hatten, löschten sie das Licht, verschlossen den Schuppen und gingen hinüber zum Haus.

 

*****

 

 

Endlich Herbstferien

 

An der Hautür unter dem Schein der Lampe wurden sie von einer blond gelockten Frau empfangen. »Ihr kommt gerade richtig. Das Essen ist fertig.«

»Danke, wir kommen sofort, Frau Seifert«, freute sich Enzo.

»Wir gehen nur schnell unsere Hände waschen, Mama«, antwortete Lisa für ihre Brüder und Enzo mit.

»Beeilt euch«, drängte die Frau.

Kurz darauf saßen die Kinder mit Herrn und Frau Seifert am Küchentisch, wo ein lecker duftender Hackbraten, Salzkartoffeln und Kohlrabigemüse bereitstanden. Frau Seifert legte die Speisen auf die Teller und sofort fingen alle an, genüsslich zu essen.

Gedankenversunken strich sich Herr Seifert während des Essens über seine braunen kurzen Haare. »Habt ihr eigentlich bereits Pläne für eure Ferien gemacht?«

»Pläne? Nein, Papa«, erwiderte Georg. »Ich denke, wir werden diesmal zu Hause bleiben, Drachen steigen lassen und ausgiebige Wanderungen unternehmen.«

»Das ist aber nicht sicher, denn wir haben uns noch nicht entschieden«, mischte sich Ingo ein, weil er nur ungern die Ferien zu Hause verbringen wollte, da er befürchtete, es könnte ihm langweilig werden.

»Ihr könnt ruhig wegfahren«, erlaubte die Mutter, die genau wusste, wie wuselig die Kinder werden konnten, wenn sie sich langweilten. Das war schon einige Male passiert. Sie schlugen ständig die Türen zu, rannten andauernd die Treppen rauf und runter und brachten mit ihrer Rastlosigkeit sehr viel Unruhe ins Haus. Es ging zu wie in einem Taubenschlag. Einen solchen Aufruhr konnte wirklich niemand gebrauchen.

»Wir müssen das nachher in Ruhe besprechen, um keine voreiligen Entscheidungen zu treffen, denn Herbstferien sind nur einmal im Jahr«, fügte Lisa hinzu. Auch sie sehnte sich nach einem Tapetenwechsel und wäre gerne in den Ferien weggefahren.

»Genau«, bestätigte Enzo und schob sich gierig eine Gabel voll Kohlrabigemüse in den Mund.

**

Nach dem Essen räumte Frau Seifert das Geschirr ab. Anschließend stellte sie eine herrlich nach Zimt und Nelken duftende Linzertorte und eine Kanne heiße Schokolade auf den Tisch. »Das könnt ihr mit aufs Zimmer nehmen, damit ihr in Ruhe eure Ferien planen könnt«, kommentierte sie schmunzelnd.

»Ich liebe Sie, Frau Seifert«, platzte es aus Enzo heraus.

»Dankeschön. Wir lieben dich auch, Mama«, bedankte sich Georg für Lisa und Ingo mit.

So zogen sich die Kinder mit dem Kuchen und dem Kakao nach oben in Ingos Zimmer zurück. Im Lichtschein der Nachttischlampe und des Leuchtglobusses, der den Schreibtisch zierte, setzten sie sich auf den weißen Flokati vor Ingos Bett. Krampfhaft überlegten sie, wie und wo sie am besten die Herbstferien verbringen könnten.

»Wir könnten ausnahmsweise Mal zu Hause bleiben und einen Drachensteigwettbewerb veranstalten«, fiel Ingo nichts Besseres ein.

Georg kratzte sich am Kinn. »Klar, das würde Spaß machen, aber ein Auftrag als IGEL-Team wäre mir lieber.«

»Wem wäre das nicht lieber?«, war Lisa derselben Meinung.

»Wir könnten offiziell unsere Ferien bei Tante Luise verbringen«, schlug Enzo vor.

»Was heißt offiziell? Bei deiner Tante gibt es nur ein einziges Gästezimmer«, bemerkte Lisa. »Du weißt genau, dass ich nicht mit euch in einem Zimmer schlafen werde.«

Enzo grinste breit. »Deshalb sagte ich ja offiziell. Natürlich werden wir in unserem Pumpenhaus schlafen, das wir uns damals so schön renoviert haben.«

»Ja, das Pumpenhaus vom Weingut Vollmer«, rief Ingo erfreut.

»Eine gute Idee. Die Vollmers boten uns an, es jederzeit benutzen zu dürfen«, erinnerte sich Georg.

Als die Kinder das letzte Mal ihre Ferien in Neustadt verbrachten, durften sie sich das alte Pumpenhaus von Familie Vollmer einrichten. Das kleine viereckige Gebäude mit nur zwei Räumen und einer Toilette befand sich am Waldrand in der Nähe der Weinberge. Früher befand sich darin eine Pumpe, um die Felder zu bewässern. Nachdem die Kinder das Dach mit einer Folie repariert und die Wände gestrichen hatten, war es aber sehr gemütlich geworden. Damals erlebten sie dort ein wundervolles aber gefährliches Abenteuer.

Beim Gedanken an das Waldhäuschen funkelten Lisas blaue Augen vor Abenteuerlust auf. »Ich bin voll und ganz damit einverstanden, Jungs.«

»Ich ebenfalls«, willigte Georg ein.

»Natürlich freue ich mich darauf, in unserem tollen Pumpenhaus zu schlafen«, fügte Ingo erfreut hinzu.

Enzo nickte zufrieden. »Dann verbringen wir unsere Herbstferien also offiziell bei Tante Luise in Neustadt. Natürlich werden wir aber in Wirklichkeit in unserem Waldhäuschen schlafen, damit unsere Eltern nicht beunruhigt sind.«

»Genau«, bestätigte Ingo. »Du solltest deine Tante gleich anrufen, damit sie die Vollmers fragen kann, ob wir das Pumpenhaus nutzen können oder ob sie es zurzeit selbst benötigen.«

»Oje, ja. Es könnte von Übernachtungsgästen der Vollmers besetzt sein«, befürchtetet Lisa.

Alle Blicke waren erwartungsvoll auf Enzo gerichtet, der genüsslich sein Stück Linzertorte verschlang und anschließend einen kräftigen Schluck heiße Schokolade trank. »Hat sich erledigt, Leute.«

Lisa sah enttäuscht drein. »Wie meinst du das, Enzo? Fahren wir doch nicht zu deiner Tante?«

Enzo grinste schief. »Doch, wir fahren. Ich hatte nämlich heute Morgen mit Tante Luise telefoniert. Ich sagte ihr, sie soll sich um alles kümmern, weil wir morgen kommen werden.«

»Du hast was?«, konnte Ingo es nicht glauben.

»Du hast bereits alles organisiert?«, war Lisa verblüfft.

»Was hättest du gemacht, wenn wir nicht damit einverstanden gewesen wären?«, interessierte sich Georg.

»Pah«, winkte Enzo ab. »Ich wusste, dass ihr einverstanden sein werdet und euch dieses Abenteuer nicht entgehen lassen wollt.«

»Wie konntest du dir da so sicher sein?«, hakte Georg nach.

»Ich kenne euch und außerdem bin ich ebenfalls Detektiv so wie ihr und kam zu der Schlussfolgerung, dass ihr mein Angebot nicht ablehnen könnt«, lachte Enzo.

Ingo nickte respektvoll. »Nicht schlecht, Enzo.«

»Habe ich dafür ein extra Stück Linzertorte verdient?«, fragte Enzo vorsichtig.

»Falls du es nicht gemerkt hast, du bekommst immer mehr Kuchen als wir, weil du verfressen bist«, stichelte Lisa, worauf alle lachten.

Die Kinder sagten ihren Eltern bescheid und verbrachten die nächste Stunde mit dem Packen ihrer Reisetaschen. Danach saßen sie noch in Ingos Zimmer und spielten als Gedächtnistraining bis spät am Abend Karten, wobei Enzo zwischendurch noch ein Stück Linzertorte verschlang, das ihm ja aufgrund seiner guten Idee wirklich zustand. Schließlich verabschiedete sich Enzo und die drei Geschwister legten sich schlafen.

 


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