Leseprobe PDF Kinderbuch, Jugendbuch, IGEL-Team Weihnachtsband, Geheimnisvolle Geiselnahme

Anfahrt nach Garmisch Patenkirchen

Es herrschte eine frostige Kälte und die Luft roch nach Schnee. Dicke Schneeflocken suchten sich ihren Weg vom silbrig grauen Himmel herab auf die weite Schnee-Ebene, die die darunterliegenden Wiesen und Felder verbarg. Vereinzelte kahle Bäume ragten aus dieser eisigen Landschaft empor, durch die sich die viel befahrene Autobahn zog. Der Verkehr rollte in Richtung der bayerischen Stadt Garmisch Patenkirschen.

 

Darunter auch das Auto der Familie Seifert, in dem Herr und Frau Seifert mit ihren drei Kindern Lisa, Ingo und Georg saßen. Mit dabei war auch der mollige, schwarz gelockte Enzo. Der Zwölfjährige italienische Junge wohnte in unmittelbarer Nachbarschaft der Seiferts und verbrachte stets viel Zeit mit den Geschwistern. Das lag daran, weil seine Eltern eine eigene Pizzeria betrieben und immer viel zu beschäftigt waren, sich um ihren Sohn zu kümmern.

 


     

Zudem waren die vier Kinder nicht nur Freunde, sondern sie hatten ihre eigene Detektei und nannten sich "Das IGEL-Team". Zusammen hatten die Kinderdetektive schon so manche brenzligen Situationen gemeistert und viele kniffelige Fälle gelöst, was einigen üblen Schurken langjährige Gefängnisstrafen bescherte.

Enzo freute sich riesig, wieder einmal die Ferien mit seinen Freunden verbringen zu dürfen. Er strahlte übers ganze Gesicht. »Ich kann es kaum noch erwarten, endlich im Hotel anzukommen.«

»Mir geht es genauso«, pflichtete Georg bei. »Ich glaube, das ist das erste Mal, wo wir über Weihnachten von zu Hause weg sind. Sonst waren wir spätestens bis zum Fest immer zu Hause.« Georg war erst dreizehn, sah aber aufgrund seiner Größe wie ein Neunzehnjähriger aus, worauf er sehr stolz war.

»Das stimmt«, bestätigte Ingo. »Über Weihnachten waren wir noch nie weg.« Ingo sah mit seiner Brille sehr intelligent aus. Das täuschte keinesfalls, denn er war als Pfadfinder und Hobbyzauberer sehr geschickt, und weil er viel las, war er auch sehr schlau und wusste enorm viel für einen Zwölfjährigen.

 


 

Lisa sah aus dem Fenster in die vorbeiziehende Schneelandschaft und stellte sich vor, wie sie Schlitten fahren und einen Schneemann bauen würde. »Es ist fantastisch, dass man hier in Bayern eine weiße Weihnacht erleben kann. Das ist viel schöner als nur trübes Wetter.«

»Es ist wirklich schön«, bestätigte Herr Seifert, der konzentriert hinter dem Lenkrad saß und einen flüchtigen Blick in die Landschaft riskierte.

Frau Seifert drehte sich den Kindern zu. »Wie ihr von unseren früheren Urlauben wisst, gehen euer Vater und ich abends aus. Deshalb schlafen wir morgens wahrscheinlich etwas länger, was bedeutet, dass ihr mit dem Frühstück nicht auf uns warten müsst.«

Georg rieb sich abenteuerlustig die Hände. »Klasse. Wir verbringen unsere Ferien für uns alleine und müssen uns nicht an Zeiten halten.«

»Wir werden euch auf eurem Zimmer ab und zu mal besuchen, um nach dem Rechten zu sehen«, versprach die Mutter, der die selbstständige Art der Kinder sehr gefiel.

Seit knapp vier Stunden waren sie nun unterwegs und sollten in etwa dreißig Minuten am Hotel ankommen.


 

Lisa blickte Enzo an. »Was stimmt mir dir heute nicht, Enzo?«

Ihre Frage war berechtigt, denn es war fast unmöglich an diesem Tag. Normalerweise hatte Enzo ständig Heißhungerattacken und meldete sich jammernd zu Wort, worauf Ingo ihm immer einen der Müsliriegel zusteckte, die er ständig für Enzo mitnahm. Diesmal war es anders. Seit der Abfahrt vor vier Stunden bis zur Pause vor zwei Stunden, bei der sie ein Picknick im Auto machten, hatte Enzo nicht einmal gejammert?! Jetzt waren sie schon wieder zwei weitere Stunden unterwegs und Enzos Heißhungerattacke blieb erneut aus. Irgendwas konnte da nicht stimmen, war sich Lisa sicher.

»Mit mir ist alles in Ordnung«, versicherte Enzo. »Warum fragst du?«

»Das ist doch klar«, mischte sich Georg ein. »Weil du während der ganzen Fahrt nicht einmal am Verhungern warst.«

»Genau. Das war mir auch aufgefallen«, bestätigte Ingo. »Wie es scheint, habe ich diesmal deine Müsliriegel umsonst mitgenommen.«

»Gestern Abend, als ich nach Hause gekommen war, aß ich noch einen Eiersalat«, gestand Enzo mit bedrückter Miene. »Dieser liegt mir irgendwie im Magen und deshalb möchte ich mich heute mit dem Essen ein wenig zurückhalten.«

Georg grinste verschmitzt und verschränkte die Hände hinter dem Kopf. »Lisa vermisst deine Heißhungerattacken nur, weil sie ihre Sprüche nicht loswerden kann.« Damit lag Georg gar nicht so verkehrt. Lisa liebte es tatsächlich, Enzo mit ihren spaßigen Sprüchen über seinen Hunger aus der Reserve zu locken. Das beruhte aber auf Gegenseitigkeit, denn auch Enzo liebte es, sich mit Lisa auseinanderzusetzen und sie mit spaßigen Bemerkungen auf die Palme zu bringen.

»Das ist gar nicht wahr, Georg«, wehrte sich Lisa energisch. »Ich mache mir nur Sorgen um Enzo.« Wen wollte sie damit belügen? Natürlich vermisste sie es. Doch, weil sich Enzo nicht so wohl fühlte, machte sie sich wirklich Sorgen um ihn und hätte deshalb sowieso gar keine Lust auf provozierende Sprüche gehabt.


 

»Armer Enzo«, bedauerte Frau Seifert. »Du trinkst am Besten nachher gleich mal einen Schwarztee, der wird deinen Magen beruhigen.«

Enzo blickte die Frau dankbar an. »Danke für Ihre Fürsorge, Frau Seifert.«

»Wir haben einen Wasserkocher und unsere Teebox mitgenommen«, erklärte Ingo. »Sobald wir in unserer Suite sind, werden wir einen Tee kochen. Bei der Kälte wird uns allen eine Tasse Tee guttun.«

Allmählich brach die Abenddämmerung an und färbte den trüben Himmel milchig orange. Mittlerweile hatte es aufgehört zu schneien. Herr Seifert steuerte den Wagen von der Autobahn auf eine Landstraße und bog nach einigen Hundert Metern auf eine schneebedeckte Seitenstraße ab.

»Oh, die Straße ist zu«, kommentierte er, als er die festgefahrene Schneedecke bemerkte. »Wie es aussieht, wurde hier aber Rollsplitt gestreut.«

»Fahr bitte vorsichtig«, bat Frau Seifert ihren Mann. »Es macht nichts, wenn wir fünf Minuten später ankommen werden.«

»Warum liegt hier eigentlich so viel Schnee, wo es bei uns noch gar nicht geschneit hat?«, interessierte sich Lisa, während sie beeindruckt aus dem Wagenfenster schaute.

Ingo rückte seine Brille zurecht. »Das liegt an der Schneefallgrenze. Garmisch-Patenkirchen liegt zum Beispiel 708 Meter über dem Meeresspiegel, wogegen Bad Bergzabern nur 170 Meter hoch liegt. Je höher man hinaufkommt, desto kälter wird es.«

»Aha, stimmt«, fiel es Lisa ein. »Da hätte ich auch selbst drauf kommen können, danke, Ingo.«

»Gerne«, antwortete Ingo selbstzufrieden. »Du kannst mich immer gerne fragen, wenn du etwas wissen möchtest.«


 

Die Kinder drückten sich die Nasen an den kalten Autofenstern platt und beobachteten die vorbeiziehende, verschneite und hügelige Landschaft, die in der Abenddämmerung orange leuchtete. Die Äste und Zweige der prächtigen Tannen bogen sich unter der Schneelast beachtlich. Einige Kilometer weiter erblickten sie am Stadtrand eine Anhöhe, auf der sich viele Kinder tummelten. Sie rodelten mit ihren Schlitten um die Wette, tollten herum, machten Schneeballschlachten und bauten Schneemänner.

Der Wagen der Seiferts näherte sich den Lichtern der ersten Häuser und nur wenige Minuten danach fuhren sie in die Stadt Garmisch Patenkirchen ein. Das Navigationsgerät wies ihnen den Weg zum Hotel, wo sie nach ein paar Querstraßen ankamen. Das Gebäude sah aus wie ein großes zweistöckiges Bauernhaus. An der Front befanden sich zwei durchgehende Balkone, an deren Außenseiten sich mit Schnee gefüllte Blumenkübel aneinanderreihten, die mit zauberhaft leuchtenden Lichterketten verziert waren.

»Ein fantastisches Anwesen. Im Frühling und Sommer sind die Balkone bestimmt voller Hängepflanzen«, vermutete Frau Seifert, die sich als gelernte Gärtnerin sehr dafür interessierte.

Ingo rückte seine Brille zurecht. »Bestimmt, Mama. Meist werden dafür Hängegeranien genutzt.«

»Das Hotel sieht aber auch ohne Pflanzen einladend aus«, bemerkte Georg.

»Mir gefallen die Bäume, die zu beiden Seiten über das Hausdach ragen«, fügte Lisa hinzu.


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