Leseprobe (PDF Kinderbuch - Jugendbuch): 21 - Ankunft der Außerirdischen

Mysteriöse Lichter kreisen am Nachthimmel über den Wäldern des Dahner Felsenlands. Im nahe gelegenem Ort Erlenbach wird sogar über außerirdische Besucher gemunkelt. Ausgerechnet dort haben Lisa, Enzo, Ingo und Georg ihren Zeltausflug für die Osterferien geplant. Sie wären nicht das IGEL-Team, würden sie in diesem seltsamen Fall nicht nachforschen. Wie so oft geraten sie auch dieses Mal in ein aufregendes und spannendes Abenteuer, das nicht von dieser Welt zu sein scheint.

Leseprobe

Radtour nach Erlenbach
Es herrschte ein herrlich warmer Frühlingstag und die Sonne schien vom tiefblauen Himmel. Vier Kinder radelten in Richtung Dahner Felsenland über den Radweg und waren unterwegs zu einem Platz, auf dem sie die nächsten Tage zelten wollten. Der Weg führte neben der Landstraße entlang durch den dichten Mischwald. Sonnenstrahlen drangen durch die Baumkronen bis hinunter zum Waldboden, wo Honigbienen und bunte Schmetterlinge zwischen kräftig gelben Butterblumen und zart violetten Krokussen umhersurrten. Die Luft war erfüllt von einem Duft nach Tannen und frischem Moos. Kurz gesagt, es war ein Frühlingstag wie aus dem Bilderbuch. Die Kinder freuten sich wahnsinnig darauf, die Osterferien in ihren Zelten in freier Natur zu verbringen.
»Hurra, ich freue mich riesig auf unseren Zeltausflug«, jubelte das Mädchen und trat in die Pedale, dass ihr blonder Pferdeschwanz wild hin- und herflog.
»Nicht so schnell, Lisa«, meinte ihr Bruder hinter ihr. Der Junge beugte den Kopf nach vorne, um den Luftwiderstand zu verringern, sah konzentriert über seine Brille hinweg und versuchte, dem Mädchen zu folgen.
Gleich hinter ihm radelte ein großer Junge, der zwar erst dreizehn Jahre alt war, aber aufgrund seiner Größe, wie ein Neunzehnjähriger aussah. »Wartet auf uns, Ingo und Lisa. Warum habt ihr es plötzlich so eilig? Wir haben die ganzen Ferien noch vor uns und müssen nicht hetzen. Wenn ihr nicht auf mich warten wollt, habt doch wenigstens Mitleid mit Enzo.« Mit dem Kopf zeigte er auf molligen den Jungen, der hinter ihm fuhr und sichtlich große Mühe hatte, ihnen nachzukommen.
»Ja, das denke ich auch, Leute. Es ist sehr unhöflich von euch, mir einfach davonzufahren«, prustete der schwarz gelockte Junge, der das Schlusslicht bildete und seinen Freunden kaum noch folgen konnte. »Es wäre doch schöner, langsamer zu fahren und die schöne Umgebung und die frische Waldluft zu genießen, als durch den Wald zu rasen, als würden wir ein Wettrennen veranstalten.«



»Ein Wettrennen«, quietschte Lisa motiviert. »Das ist eine tolle Idee. Jungs! Wir machen ein Wettrennen. Wer als Erster in Erlenbach ankommt, hat gewonnen!«
»Das wars, Freunde.« Enzo hielt an, stellte sein Fahrrad ab und setzte sich auf einen umgefallenen Baumstamm nieder. Die drei Geschwister hielten wie auf Kommando an.
Lisa hob genervt die Augenbrauen und rümpfte ihre sommersprossige Nase. »Lass mich raten! Du hast wie immer Hunger.«
»Das war wohl nicht schwer zu erraten«, bestätigte Enzo mürrisch. »Ich habe Hunger, Durst und bin völlig erschöpft. Ohne eine Stärkung komme ich nicht mehr weiter und ein Wettrennen können wir sowieso vergessen. Du bist die Sportlichste von uns, Lisa. Das ist unfair, weil du sowieso immer gewinnst.« Trotzig stützte er seinen schwarzen Lockenkopf in beide Hände.
Der große Georg schaute stirnrunzelnd auf seine Armbanduhr. »Es ist erst 11 Uhr. Es ist noch viel zu früh fürs Picknick. Kannst du es nicht noch ein wenig aushalten, Enzo? Wir müssten bald da sein.«
»Wenn ich es aushalten könnte, hätte ich nicht angehalten«, brummelte Enzo.
»Ja, das Picknick wollten wir in Erlenbach machen, sobald wir unsere Zelte aufgebaut haben«, erinnerte Ingo und kramte in seinem Rucksack herum.
Dann reichte er Enzo eine Flasche Apfelsaftschorle, ein grünes Osterei und einen Müsliriegel. »Bitteschön. Das wird dich erst mal stärken, bis wir am Ziel sind.«
Enzo strahlte übers ganze Gesicht. »Danke, Ingo. Du hast mir das Leben gerettet.« Zuerst aß er das Ei, danach den Riegel und anschließend trank er die Schorle, während Lisa, Georg und Ingo ihm ungeduldig zusahen.
»Auf jetzt, Enzo«, drängte Lisa. »Können wir endlich weiter, bevor du wieder Hunger bekommst und uns den gesamten Proviant für die nächsten Tage leer futterst?«
»Sehr lachhaft, Lisa«, sagte Enzo. »Du bist witzig und hättest Clown werden sollen. Aber ich bin bereit. Fahren wir, damit wir unsere Zelte aufbauen und endlich unser Picknick machen können.«
Umgehend setzten die vier Kinder ihren Weg fort. Sportlich radelten sie durch den Wald über den Radweg. Nach einer halben Stunde kamen sie in einen Ort, der von bewaldeten Bergen umgeben war. Zügig fuhren sie am Ortseingangsschild mit der Aufschrift "Erlenbach" vorbei. 



Kuriose Angebote im Souvenirladen
Die vier Kinder folgten der breiten Hauptstraße durch den Ort, die durch eine menschenleere Siedlung mit gepflegten Häuserreihen führte. Auf dem Gehweg stand ein Pappaufsteller, der ihre Aufmerksamkeit erweckte. Es war ein kleines grünes Männchen mit Glatze und riesigen schwarzen Augen. Sie näherten sich und erkannten hinter dem Pappaufsteller einen Souvenirladen.
Enzo hielt sofort an. »Wartet mal! Das sieht aus wie ein Außerirdischer aus diesen Filmen? Was hat das wohl zu bedeuten? Warum verkaufen die hier solch seltsame Dinge?«
»Das ist eine gute Frage, die mich auch brennend interessieren würde«, erwiderte Ingo perplex.
Sie hielten an, stellten ihre Fahrräder ab und sahen sich die mysteriösen Artikel im Schaufenster genauer an.
»Tassen, T-Shirts und Teller. Alles mit Motiven von UFOs und kleinen grünen Männchen«, zählte Lisa die Artikel auf. »Aus welchem Grund werden hier solche außergewöhnlichen Sachen verkauft?«
Ingo rückte seine Brille zurecht. »Ähnliche Artikel gibt es im amerikanischen Bundesstaat New Mexiko in der Kleinstadt Roswell, wo im Jahre 1947 angeblich ein UFO mit Außerirdischen abgestürzt war. Das hatte ich mal gelesen. Die Sache nennt sich der Roswell-Zwischenfall.«
»Ich erinnere mich, das auch gelesen zu haben«, warf Georg ein. »Das war aber nicht wirklich ein UFO, was da in Roswell abgestürzt war. Es war ein verunglückter Wetterballon, den die amerikanische Luftwaffe steigen lassen hat.« Wer sollte das besser wissen als Georg, der sich für Flugzeuge interessierte wie kein anderer? Sein Berufswunsch war Pilot und zahlreiche Flugzeugmodelle in allen Formen und Farben schmückten sein Schlafzimmer. Sie hingen an Angelschnüren von der Decke und standen auf Regalen und Schränken. Sein Zimmer glich fast einem Flugzeugmuseum.



»Genau so ist es, Georg«, gab Ingo seinem Bruder recht. »Das Objekt in Roswell seinerzeit war nur ein Wetterballon oder ein Spionagesatellit, der unter einer geheimen militärischen Aktion gestartet wurde, was auch der Grund für die Heimlichtuerei und den Vertuschungsversuchen war.«
»Soweit, so gut«, sagte Enzo. »Was hat diese ganze Sache aber mit Erlenbach zu tun? Gab es vielleicht einen Erlenbach-Zwischenfall?«
»Nein, das gab es meines Wissens nicht. Warum solche Artikel hier angeboten werden, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft.« Ingo zeigte ins Schaufenster. »Und hier sind sogar kleine UFOs und die grünen Männchen als Figuren, Bilder und Schlüsselanhänger. Das ist sehr merkwürdig und ich würde auch liebend gerne herausfinden, was es mit dieser Sache auf sich hat.«
»Wer weiß? Vielleicht leben hier Außerirdische«, scherzte Enzo und zog dabei eine Furcht einflößende Grimasse, was seine Freunde erheiterte.
»Vielleicht ist dieses Gebiet als Landeplatz für UFOs bekannt?!«, scherzte auch Georg.
Plötzlich ging die Tür des Souvenirladens auf. Ein etwa zehn Jahre alter, braunhaariger Junge und ein Mädchen mit langen braunen Haaren im gleichen Alter, das dem Jungen sehr ähnlich sah, standen in der Ladentür.
»Kommt doch rein!«, forderte der Junge die Kinder auf. »Hier gibt es noch viel mehr solche Sachen, die euch gefallen könnten.«
»Danke, nein«, lehnte Georg ab. »Wer seid ihr? Gehört ihr zu diesem Geschäft?«
»Ich bin Sven Reiter und das ist meine Zwillingsschwester Svenja. Unseren Eltern gehört der Souvenirladen«, erklärte der Junge stolz.
»Was hat es mit diesen sonderbaren Waren auf sich?«, hakte Enzo nach. »Warum werden hier UFO-Artikel verkauft? Hat das einen bestimmten Grund?«
Svenjas blaue Augen weiteten sich. »Wisst ihr das etwa nicht?«
Georg schüttelte den Kopf. »Nein! Was sollen wir wissen?«



»Na, in letzter Zeit kommen uns Außerirdische besuchen. Fast täglich werden UFOs gesehen und seltsame Spuren gefunden, das weiß doch jeder. Es stand sogar in den Zeitungen.«
»Echt jetzt?«, lachte Lisa. »Ihr wollt uns wohl veräppeln?!«
Die Gesichter der beiden Geschwister waren und blieben jedoch sehr ernst. »Nein, es ist wirklich wahr«, versicherte Sven. »Wir wollen euch nicht veräppeln.«
Georg schaute nachdenklich drein. »Und wo genau sollen diese UFOs gesichtet und diese Spuren gefunden worden sein?«
»Am Ortsrand in den Wäldern«, klärte Svenja auf und zeigte dabei in Richtung Wald.
Sven drückte die Ladentür weiter auf. »Wollt ihr jetzt reinkommen oder nicht?«
»Danke, vielleicht später«, lehnte Enzo ab. »Wir werden für die nächsten Tage am Ortsrand zelten und kommen wohl öfter her, um Proviant zu kaufen. Mal sehen, vielleicht werden wir dann mal bei euch vorbeischauen.«
Svenja riss entsetzt die Augen auf. »Ihr werdet zelten, obwohl sich hier Außerirdische herumtreiben? Das würden wir uns nicht getrauen, da hätten wir viel zu viel Angst, die Außerirdischen könnten uns was antun. Ihr seid ganz schön mutig.«
Georg lächelte amüsiert. »Ja, wir sind sehr mutig. Das liegt wohl in unserer Natur.«
Die Kinderdetektive verabschiedeten sich von dem Zwillingspaar, schwangen sich auf ihre Fahrräder und setzten ihren Weg durch den Ort fort.
»Ich hoffe, wir sind uns einig«, vergewisserte sich Ingo. »Natürlich glauben wir nicht an Außerirdische. Oder sieht das jemand von euch anders?«
»Nein«, raunten Enzo, Lisa und Georg gleichzeitig mit einem Lachen in der Stimme.
»Wir könnten die Zeit, in der wir hier sind, nutzen, die Sache aufzuklären«, schlug Georg vor.
»Na klar, werden wir das«, hatte Lisa bereits beschlossen. »Das werden wir uns wohl nicht entgehen lassen.«
»Es kann nicht allzu schwer sein, herauszufinden, woher ein paar Lichter am Himmel und ein paar Spuren kommen, und was die Ursache dafür sein könnte«, war Ingo überzeugt.
»Der Meinung bin ich auch. Vielleicht handelt es sich bei den Lichtern nur um ein paar Sternschnuppen«, glaubte Enzo. »Was hat es aber mit den Spuren auf sich, die sie erwähnt hatten?«



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